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Pergamenthaut - besondere Haut braucht besondere Pflege

Erstellt von Sebastian Kruschwitz - Fachbereichstleitung Wundmanagement ZBI Gruppe |

Im Bereich der beatmeten Patienten tritt häufig eine Spätfolge auf, unter der die Betroffenen sehr leiden – die Pergamenthaut. Dabei kommt es nach einer Verletzung zu langen Heilungsverläufen, die meist mit ausgeprägten Wundschmerzen verbunden sind.

Ursachen
Eine sogenannte Pergamenthaut ist sehr dünn und verliert zudem stark an Elastizität. Die Venen zeichnen sich dabei deutlich unter der Haut ab und es besteht fast kein Unterhautfettgewebe mehr. Selbst bei einem leichten Kratzen entstehen Blutungen. Die Haut ist außerdem sehr anfällig für Hämatome  und Hautläsionen. Typischerweise bleibt bei einer Pergamenthaut in den meisten Fällen nach dem Anheben der Haut zwischen zwei Fingern eine kleine Hautfalte für einige Sekunden stehen.
Die Entstehung von Pergamenthaut ist oft altersbedingt. Im hohen Lebensalter kann eine Pergamenthaut aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses der Haut zustande kommen, denn die Haut wird mit zunehmendem Alter bei jedem Menschen dünner, auch wenn keine Erkrankung zugrunde liegt.
Bei jüngeren Patienten kann die Einnahme bestimmter Medikamente, wie zum Beispiel Cortison oder Gerinnungshemmer, zu einer Pergamenthaut führen. In diesem Falle sollte der behandelnde Arzt den Zusammenhängen zwischen Haut und Medikation hinterfragen. Auch bei Patienten mit Lebererkrankungen oder Diabetes kann die Haut einen sehr dünnen und trockenen Zustand entwickeln.

Pflege ist das A und O
Pergamenthaut ist vor allem eines: empfindlich.
Betroffene Stellen sind meist die Unterarme sowie Hände und Schienbeine. Aufgrund der dünnen und trockenen Haut kommt es dabei bei den Betroffenen oft zu Verletzungen, denn ähnlich wie Pergamentpapier reißt die Haut bei geringer Belastung ein.
Der langsame Heilungsprozess erschwert das Leben mit Pergamenthaut zusätzlich. So sollte in jedem Fall auf einen hohen Lichtschutzfaktor geachtet werden, wenn die Haut direktem Sonnenlicht ausgesetzt wird.
Trotz des meist kälteren Temperaturempfindens sollten Betroffene auf heiße Wannenbäder lieber verzichten. Dies trocknet die ohnehin schon feuchtigkeitsarme Haut zusätzlich aus. Geeigneter ist an dieser Stelle das Duschen mit lauwarmen Wasser und einem PH-neutralen Duschgel oder einem Dusch-Öl.

Bei trockener Haut ist es besonders wichtig, ein Duschgel zu verwenden, welches die Haut nicht noch zusätzlich  austrocknet, sondern ihr während des Duschens möglichst viel Feuchtigkeit spendet. Sind die Hautprobleme noch nicht allzu stark ausgeprägt, findet man im Einzelhandel noch speziell für trockene Haut entwickelte und pH-hautneutrale Duschgele. Diese sollten frei von Konservierungsstoffen, künstlichen Farbstoffen sowie von Parfüm und Alkohol sein. Alternativ können auch Dusch-Öle, frei von Seifen und chemischen Zusätzen, verwendet werden. Diese schäumen nicht, schützen dafür aber die Haut schon während des Duschens und hinterlassen ein angenehmes Gefühl. Je natürlicher das Duschgel oder –öl ist, desto weniger schadet es trockener Haut.

Bei stärkeren Hautproblemen muss der Hautarzt tätig werden und ein entsprechendes Produkt verschreiben. Es gilt außerdem: Duschgel nur auf den Stellen anwenden, an denen Schweiß und Geruch entstehen; den Rest des Körpers nur mit klarem Wasser abspülen. Auch Waschlappen und Handtücher aus Mikrofaser sollten für die Pflege von Pergamenthaut lieber gemieden werden, denn Mikrofasern entziehen der Haut bei der Pflege oder dem Abtrocknen unnötig viel Feuchtigkeit. Auch harte Schwämme oder Bürsten sind aufgrund der Verletzungsgefahr nicht geeignet. Essentiell wichtig ist es, Pergamenthaut genügend Fett und Feuchtigkeit zuzuführen. Dabei sollte die Haut mindestens ein- bis zweimal täglich mit geeigneten Pflegeprodukten eingecremt werden. Es empfehlen sich vor Allem Produkte, die viel Panthenol enthalten. Aber auch Produkte mit Aloe Vera eignen sich zum Schutz. Die Pflegeprodukte sollten außerdem ebenso frei von Konservierungsstoffen und künstlichen Farbstoffen sowie frei von Parfüm und Alkohol sein.

Zum Arzt auch bei kleineren Wunden
Empfehlenswert ist auch bei kleineren Hautläsionen die Vorstellung beim Arzt. Aufgrund des schwierigen Heilungsprozesses der Pergamenthaut kann es schnell zu Infektionen kommen. Bei kleineren Läsionen/Ablederungen, sollte eine Wundauflage mit Silikonkleber verwendet werden um den Hautdefekt abzudecken. Diese haben den Vorteil einer langen Tragedauer bei nicht infizierten Wunden und gewährleisten so die, für die Heilung so wichtige, Wundruhe. Bei größeren Läsionen/Ablederungen, eine ,,non adhesive‘‘ (nicht klebende) Wundauflage. Die man dann mit einer elastischen Schlauchbinde oder Binde fixiert.
Bei immer wieder auftretenden Läsionen, kann auch  ein Polymer-Gel-Ellenbogenschutz zum Einsatz kommen. Diese sind mittlerweile gegenüber der GKV erstattungsfähig. Hiermit lassen sich weitere Hautläsionen vermeiden und die Haut wird gepflegt. Der Schutz kann auch während der Wundtherapie, zur Fixierung der ,,non-adhesive‘‘ Wundauflagen benutzt werden und nach Abheilung dann zur Prophylaxe.

 

Zum Autor

Sebastian Kruschwitz

 

 

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