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Hydrocephalus

 (deutsch: Wasserkopf) ist eine neurologische Erkrankung, bei der sich zu viel Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) in den Hirnkammern (Ventrikeln) ansammelt. Die überschüssige Flüssigkeit dehnt die Hirnkammern aus und kann empfindliche Gehirnstrukturen schädigen. Ohne Behandlung drohen dauerhafte neurologische Schäden. 

Formen des Hydrocephalus:

  1. Kommunizierender Hydrocephalus:
    • Der Liquorfluss zwischen den Ventrikeln ist intakt, aber die Resorption im Subarachnoidalraum ist gestört.
    • Ursachen: Blutungen, Infektionen (z. B. Meningitis), Entzündungen.
  2. Nicht-kommunizierender (obstruktiver) Hydrocephalus:
    • Abflussblockade innerhalb des Ventrikelsystems, z. B. durch Tumor, Zyste oder Aquäduktstenose.
  3. Normaldruck-Hydrocephalus (NPH):
    • Sonderform mit normalem Hirndruck, meist bei älteren Menschen.
    • Typische Symptome: Gangstörung, Inkontinenz, Gedächtnisstörungen (Hakim-Trias).
  4. Hydrocephalus ex vacuo:
    • Erweiterung der Ventrikel als Folge von Hirngewebsschwund, z. B. bei Demenz – kein echter Liquorüberschuss.

Ursachen:

  • Angeboren: z. B. Aquäduktstenose, Neuralrohrdefekte
  • Erworben: Hirnblutungen, Tumoren, Entzündungen (Meningitis), Schädel-Hirn-Trauma
  • Altersbedingt: Normaldruck-Hydrocephalus bei älteren Menschen

Symptome (je nach Alter und Form):

📌 Bei Säuglingen:

  • Vergrößerter Kopfumfang
  • Vorwölbung der Fontanelle
  • Erbrechen, Trinkschwäche
  • Reizbarkeit, Lethargie
  • Sonnenuntergangsphänomen (Augen nach unten gerichtet)

📌 Bei Erwachsenen:

  • Kopfschmerzen, Übelkeit
  • Gangunsicherheit, Koordinationsstörungen
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Harninkontinenz
  • Bewusstseinsveränderungen

Diagnostik:

  • Bildgebung: CT oder MRT zur Darstellung der Ventrikel und möglicher Abflussstörung
  • Liquordruckmessung
  • Lumbalpunktion oder Testdrainage bei Verdacht auf Normaldruck-Hydrocephalus
  • Ganganalyse und neuropsychologische Tests bei Erwachsenen

Therapie:

  1. Shunt-Operation (Liquor-Derivation):
    • Ein Ventrikuloperitonealer Shunt leitet den Liquor vom Gehirn in die Bauchhöhle ab.
    • Alternativ: Ableitung in Herz oder Brustraum.
  2. Endoskopische Ventrikulostomie (ETV):
    • Eröffnung eines Abflusswegs im Boden des 3. Ventrikels – vor allem bei Aquäduktstenose.
  3. Medikamentös (nur unterstützend):
    • Diuretika zur kurzfristigen Drucksenkung

Pflegeaspekte:

  • Beobachtung neurologischer Symptome (Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Gangbild)
  • Kontrolle des Shunt-Systems (Verlauf, Druckregulierung, Infektionszeichen)
  • Flüssigkeitsbilanzierung und Lagerung
  • Begleitung bei Reha-Maßnahmen, besonders bei Gang- und Gedächtnisstörungen
  • Eltern- und Angehörigenberatung bei Kindern oder älteren Patienten
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