Hydrocephalus
(deutsch: Wasserkopf) ist eine neurologische Erkrankung, bei der sich zu viel Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) in den Hirnkammern (Ventrikeln) ansammelt. Die überschüssige Flüssigkeit dehnt die Hirnkammern aus und kann empfindliche Gehirnstrukturen schädigen. Ohne Behandlung drohen dauerhafte neurologische Schäden.
Formen des Hydrocephalus:
- Kommunizierender Hydrocephalus:
- Der Liquorfluss zwischen den Ventrikeln ist intakt, aber die Resorption im Subarachnoidalraum ist gestört.
- Ursachen: Blutungen, Infektionen (z. B. Meningitis), Entzündungen.
- Nicht-kommunizierender (obstruktiver) Hydrocephalus:
- Abflussblockade innerhalb des Ventrikelsystems, z. B. durch Tumor, Zyste oder Aquäduktstenose.
- Normaldruck-Hydrocephalus (NPH):
- Sonderform mit normalem Hirndruck, meist bei älteren Menschen.
- Typische Symptome: Gangstörung, Inkontinenz, Gedächtnisstörungen (Hakim-Trias).
- Hydrocephalus ex vacuo:
- Erweiterung der Ventrikel als Folge von Hirngewebsschwund, z. B. bei Demenz – kein echter Liquorüberschuss.
Ursachen:
- Angeboren: z. B. Aquäduktstenose, Neuralrohrdefekte
- Erworben: Hirnblutungen, Tumoren, Entzündungen (Meningitis), Schädel-Hirn-Trauma
- Altersbedingt: Normaldruck-Hydrocephalus bei älteren Menschen
Symptome (je nach Alter und Form):
📌 Bei Säuglingen:
- Vergrößerter Kopfumfang
- Vorwölbung der Fontanelle
- Erbrechen, Trinkschwäche
- Reizbarkeit, Lethargie
- Sonnenuntergangsphänomen (Augen nach unten gerichtet)
📌 Bei Erwachsenen:
- Kopfschmerzen, Übelkeit
- Gangunsicherheit, Koordinationsstörungen
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Harninkontinenz
- Bewusstseinsveränderungen
Diagnostik:
- Bildgebung: CT oder MRT zur Darstellung der Ventrikel und möglicher Abflussstörung
- Liquordruckmessung
- Lumbalpunktion oder Testdrainage bei Verdacht auf Normaldruck-Hydrocephalus
- Ganganalyse und neuropsychologische Tests bei Erwachsenen
Therapie:
- Shunt-Operation (Liquor-Derivation):
- Ein Ventrikuloperitonealer Shunt leitet den Liquor vom Gehirn in die Bauchhöhle ab.
- Alternativ: Ableitung in Herz oder Brustraum.
- Endoskopische Ventrikulostomie (ETV):
- Eröffnung eines Abflusswegs im Boden des 3. Ventrikels – vor allem bei Aquäduktstenose.
- Medikamentös (nur unterstützend):
- Diuretika zur kurzfristigen Drucksenkung
Pflegeaspekte:
- Beobachtung neurologischer Symptome (Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Gangbild)
- Kontrolle des Shunt-Systems (Verlauf, Druckregulierung, Infektionszeichen)
- Flüssigkeitsbilanzierung und Lagerung
- Begleitung bei Reha-Maßnahmen, besonders bei Gang- und Gedächtnisstörungen
- Eltern- und Angehörigenberatung bei Kindern oder älteren Patienten