Pergamenthaut: Ursachen, Pflege und Wundversorgung

Mit fortschreitendem Alter verändert sich die Haut: sie verliert an Feuchtigkeit und Spannkraft, wird also dünner und trockener. Altershaut ist auch deutlicher spröder und rissiger. Sind die Symptome der Altershaut besonders extrem ausgeprägt, kann sich daraus eine sogenannte Pergamenthaut entwickeln. Worum es sich hierbei genau handelt, welche Ursachen es dafür gibt und wie die richtige Pflege bei Pergamenthaut aussieht, erfahren Sie in diesem Artikel.

 

Aussehen und Symptome von Pergamenthaut

Bei der Pergamenthaut sind die üblichen Symptome der Altershaut bzw. atrophischer Haut deutlich stärker ausgeprägt:

  • Pergamenthaut ist sehr dünnund verliert zudem stark an Elastizität.
  • Die Venen zeichnen sich dabei deutlich unter der Haut ab und es besteht fast kein Unterhautfettgewebe mehr.
  • Selbst bei einem leichten Kratzen entstehen Blutungen.
  • Die Haut ist außerdem sehr anfällig für Hämatome und Hautläsionen.
  • Die Wundheilung ist gestört bzw. verlangsamt.
  • Typischerweise bleibt bei einer Pergamenthaut in den meisten Fällen nach dem Anheben der Haut zwischen zwei Fingern eine kleine Hautfalte für einige Sekunden stehen.

Ursachen für Pergamenthaut

Die Entstehung von Pergamenthaut ist oft altersbedingt, aber nicht ausschließlich – sie kann unter anderem auch als Spätfolge bei beatmeten Patienten (z.B. Patienten im Wachkoma) auftreten. Typische Ursachen für die Entwicklung einer Pergamenthaut sind:

  • Höheres Lebensalter: aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses wird die Haut bei jedem Menschen dünner, auch wenn keine Erkrankung zugrunde liegt.
  • Einnahme bestimmter Medikamente: so könnenzum Beispiel Cortison, Insulin oder Gerinnungshemmer zu einer Pergamenthaut führen.
  • Bestehende Krankheiten: Bei Patienten mit Lebererkrankungen oder Diabetes kann die Haut einen sehr dünnen und trockenen Zustand entwickeln. Auch bei rheumatoider Arthritis, Borreliose und Autoimmunerkrankungen ist das Risiko für die Ausbildung von Pergamenthaut erhöht.
  • UV-Strahlung: Übermäßiges Sonnenbaden oder häufige Solariumbesuche (auch in der Vergangenheit) begünstigen die Entwicklung atrophischer Haut – nicht nur im Alter.
  • Nährstoffmangel: Dauerhafte Unterernährung und Vitamin-/Mineralstoffmangel können sehr trockene Haut fördern.

Die richtige Pflege bei Pergamenthaut ist essenziell

Pergamenthaut ist vor allem eines: empfindlich. Im Pflegealltag müssen daher entsprechende Maßnahmen getroffen werden, um Hautverletzungen und -läsionen bestmöglich vermeiden zu können. Dazu zählt neben der Dekubitusprophylaxe und angemessenen Umpositionierungskonzepten vor allem behutsame Körperpflege bei Patienten mit Pergamenthaut. Hier ist besonders bei Stellen, die typischerweise stark von der atrophischen Haut betroffen sind (meist die Unterarme sowie Hände und Schienbeine) Vorsicht geboten: Aufgrund der dünnen und trockenen Haut kommt es bei den Betroffenen oft zu Verletzungen, denn ähnlich wie Pergamentpapier reißt die Haut bei geringer Belastung ein.

Folgende Tipps helfen bei der richtigen Pflege eines Patienten mit Pergamenthaut:

  • In jedem Fall sollte auf einen hohen Lichtschutzfaktor geachtet werden, wenn die Haut direktem Sonnenlicht ausgesetzt wird.
  • Trotz des meist kälteren Temperaturempfindens sollten Betroffene auf heiße Wannenbäder lieber verzichten. Dies trocknet die ohnehin schon feuchtigkeitsarme Haut zusätzlich aus. Besser: das Duschen mit lauwarmem Wasser (unter 36 Grad Celsius).
  • Hierbei empfiehlt sich die Verwendung pH-neutraler Duschgele, die frei von Alkohol sowie künstlichen Parfüm-, Farb- und Konservierungsstoffen sind. Bei trockener Haut ist es besonders wichtig, ein Duschgel zu verwenden, welches die Haut nicht noch zusätzlich austrocknet, sondern ihr während des Duschens möglichst viel Feuchtigkeit spendet. Alternativ können auch Dusch-Öle, die frei von Seifen und chemischen Zusätzen sind, verwendet werden. Diese schäumen nicht, schützen dafür aber die Haut schon während des Duschens und hinterlassen ein angenehmes Gefühl. Je natürlicher das Duschgel oder –öl ist, desto weniger schadet es trockener/atrophischer Haut. Bei stärkeren Hautproblemen muss der Hautarzt tätig werden und ein entsprechendes Produkt verschreiben.
  • Duschgel nur auf den Stellen anwenden, an denen Schweiß und Geruch entstehen; den Rest des Körpers nur mit klarem Wasser abspülen.
  • Auf Waschlappen und Handtücher aus Mikrofaser sollte für die Pflege von Pergamenthaut lieberverzichtet werden, denn Mikrofasern entziehen der Haut bei der Pflege oder dem Abtrocknen unnötig viel Feuchtigkeit. Auch harte Schwämme oder Bürsten sind aufgrund der Verletzungsgefahr nicht geeignet. Essentiell wichtig ist es, Pergamenthaut genügend Fett und Feuchtigkeit zuzuführen. Dabei sollte die Haut mindestens ein- bis zweimal täglich mit geeigneten Pflegeprodukten eingecremt werden. Es empfehlen sich vor Allem Produkte, die viel Panthenol enthalten. Aber auch Produkte mit Aloe Vera eignen sich zum Schutz. Die Pflegeprodukte sollten außerdem ebenso frei von Konservierungsstoffen und künstlichen Farbstoffen sowie frei von Parfüm und Alkohol sein.

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Wundversorgung und Wundprävention bei Pergamenthaut?

Grundsätzlich ist auch bei kleineren Hautläsionen die Vorstellung beim Arzt empfehlenswert, denn aufgrund des schwierigen Heilungsprozesses der Pergamenthaut kann es schnell zu Infektionen kommen. Bei kleineren Läsionen/Ablederungen, sollte eine Wundauflage mit Silikonkleber verwendet werden um den Hautdefekt abzudecken. Diese haben den Vorteil einer langen Tragedauer bei nicht infizierten Wunden und gewährleisten so die, für die Heilung so wichtige, Wundruhe. Bei größeren Läsionen/Ablederungen, eine ,,non adhesive‘‘ (nicht klebende) Wundauflage, die man dann mit einer elastischen Schlauchbinde oder Binde fixiert. Bei immer wieder auftretenden Läsionen, kann auch ein Polymer-Gel-Ellenbogenschutz zum Einsatz kommen. Diese sind mittlerweile gegenüber der GKV erstattungsfähig. Hiermit lassen sich weitere Hautläsionen vermeiden und die Haut wird gepflegt. Der Schutz kann auch während der Wundversorgung zur Fixierung der ,,non-adhesive‘‘ Wundauflagen benutzt werden und nach Abheilung dann zur Prophylaxe. Von Wundtherapie-Methoden wie der VAC-Therapie (Unterdrucktherapie) sollte bei Pergamenthaut unbedingt abgesehen werden.

Weitere Tipps bei Pergamenthaut

Aufgrund der bereits beschriebenen schlechten Wundheilung sollten Maßnahmen getroffen werden, um jegliche Läsionen zu vermeiden. Hierzu zählt beispielsweise die Sturzprophylaxe. Dies gilt insbesondere für Patienten mit Pergamenthaut, die einen Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) erlitten haben und daher Gangunsicherheiten aufweisen. Sind die Patienten mobil und können sich selbst waschen, sollten in der Dusche und im Badezimmer Anti-Rutsch-Matten ausgelegt werden und zur Minimierung der Verletzungsgefahr Schutzvorrichtungen an scharfkantigen Ecken angebracht werden. Auch hinsichtlich der Ernährung können bei Pergamenthaut einige Tipps helfen, weiterem Hautfeuchtigkeitsverlust vorzubeugen. Hierzu zählt beispielsweise eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie eine vitamin- und mineralstoffreiche Kost.

 

Zum Autor

Sebastian Kruschwitz ist Fachbereichsleiter des Wundmanagements in der  ZBI Gruppe.

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