Wundversorgung: Ziele & Maßnahmen | ZBI Gruppe

Was ist eigentlich Wundmanagement, was versteht man unter klassischer und moderner Wundversorgung und was genau macht eigentlich ein Wundexperte?

Was ist Wundmanagement?

Unter Wundmanagement versteht man eine strukturierte, interdisziplinäre Versorgung von Wunden, die u.a Wundanamnese, Wundinspektion, Wundbehandlung, Schmerztherapie und Wunddokumentation umfasst. Die Anleitung/Beratung von Menschen mit chronischen Wunden.

 

Was versteht man unter einer klassischen Wundversorgung?

Die „klassische“ oder auch „konventionelle“ Wundversorgung ist die Behandlung von Wunden mit trockenen Verbandstoffen. Bis in die 1960er Jahre wurde die klassische Wundbehandlung bei akuten und chronischen Wunden eingesetzt. Zu den klassischen Wundauflagen zählen Verbandmull, Binden, Pflaster, Mull/Vlieskompressen, Tamponaden sowie Tupfer. Sie decken die Wunde ab und schützen zuverlässig vor Feuchtigkeit, Verschmutzung oder Bakterien. Mit Diesen Materialien wurden in der Regel tägliche Verbandwechsel durchgeführt. 

 

Was versteht man unter ,,moderner Wundversorgung‘‘?

Im Gegensatz dazu liegt der Schwerpunkt der modernen Wundversorgung auf der Aufrechterhaltung eines idealfeuchten Wundmilieus. Das Austrocknen und Auskühlen der Wunde wird dadurch reduziert und hält das Wundmilieu im Gleichgewicht. 

Sie werden häufig bei chronischen oder stark exsudierenden Wunden eingesetzt. Moderne Wundauflagen bestehen aus hydroaktivem Material und besitzen oftmals eine leichte Beschichtung, die das Verkleben mit der Wunde reduziert. Hier müssen die Verbandwechsel ausgedehnt werden, dies erreicht man mit einer Wundheilungsphasen adaptierten Wundtherapie, die Wundauflage muss zur jeweilig immer im Vordergrund stehenden Wundheilungsphase passen. Um hier der Wunde die nötige Ruhe zu geben, die eigenen Wundheilungsprozesse zu unterstützen. Durch die nicht mehr so häufiger stattfindenden Verbandwechsel wird die moderne Wundversorgung dann auch kostengünstiger. 

 

Was macht ein Wundexperte?

Fortbildungen im Bereich des Wundmanagements werden von mehreren Institutionen angeboten, unter anderem von der Initiative Chronische Wunden (ICW) in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland. In mindestens 48 Unterrichtseinheiten und 16 Stunden Hospitation können sich Pflegekräfte, Medizinische Fachangestellte oder Ärzte zum „Wundexperten ICW“ fortbilden. Neben der Anatomie der Haut stehen die Entstehung und Heilung von Wunden, eine Wundbeurteilung- und Dokumentation sowie vor allem die Therapie von Dekubitus, Ulcus cruris und diabetischem Fuß auf dem Lehrplan.

,,Wundexperten‘‘ sind Teil eines interdisziplinären Teams, das chronische Wunden behandelt. Am Anfang steht dabei die Diagnose des Arztes, die die Ursachen der Wundentstehung beziehungsweise der Wundheilungsstörungen erfasst. Im weiteren Behandlungsverlauf übernehmen Wundexperten die Versorgung der Wunde, die Wunddokumentation sowie die Kausal- und Begleittherapie.

Wundexperten arbeiten beispielsweise als Wundberater in stationären und ambulanten Einrichtungen, in einer Wundambulanz oder einem Wundzentrum oder als Dozent. Im ambulanten Bereich arbeiten sie eng mit den jeweiligen Haus- und Fachärzten der Patienten zusammen. Je nach Qualifikation führen sie die Beratung und Therapie selbstständig durch, dokumentieren ihre Arbeit und evaluieren den Therapieerfolg.

Wundexperten können sich darüber hinaus zu einem „Pflegetherapeuten Wunde“ fortbilden lassen. In mindestens 168 Stunden sowie 40 Stunden Hospitation erlernen sie spezielle Therapien bei chronischen Wunden, Fall- und Qualitätsmanagement oder die Prävention chronischer Wunden. Wundexperten müssen kontinuierlich an Schulungsmaßnahmen teilnehmen, um ihre jeweils für fünf Jahre vergebenen Zertifikate zu erneuern.

 

Wie wird man ,,Wundmanager‘‘?

Eine gehobene Form des Wundmanagers wird bei der Fortbildung Akademische/r Wundmanager/in angeboten. In ein beziehungsweise zwei Semester können Akademiker mit Anstellung im gehobenen Gesundheits- und Krankenpflegedienst die Weiterbildung als Certified Programm oder als Akademische/r Wundmanager/in belegen.

 

Was darf ein ,,Wundexperte‘‘?

Die Wundversorgung als Behandlungspflege, damit als Teil der medizinischen Versorgung, fällt in den ärztlichen Zuständigkeits- und Verantwortungsbereich. Ein Wundmanagement erfolgt üblicherweise im Team - z. B. mit Pflegefachkräften etwa in den ambulanten Pflegediensten. Für den involvierten Arzt stellt sich bei dieser Arbeitsteilung stets die Frage, an wen und inwieweit er heilkundliche Maßnahmen delegieren darf. Damit stellt sich auch die Frage der haftungsrechtlichen Verantwortung.

Im Grundsatz gilt: Der Arzt kann diejenigen Tätigkeiten an Wundtherapeuten bzw. Pflegepersonal delegieren, die kein spezifisches ärztliches Wissen und Können erfordern. Das Ausmaß möglicher Delegation bei der Wundversorgung ergibt sich aus der Qualifikation des nicht-ärztlichen Personals, die stets dokumentiert werden sollte.

Aus der ärztlichen Anordnungsverantwortung folgt, dass die wundtherapeutisch fortgebildete Pflegefachkraft, allgemein die Wundtherapeuten delegierte Tätigkeiten nicht ohne Wissen und Zustimmung des Arztes etwa an eine dritte Person "weiterdelegieren" oder abändern dürfen.

Das Wundteam - behandelnde Ärzte, Pflegekräfte und bei Bedarf auch wundtherapeutisch Fortgebildete - sollte kooperativ eine sichere, zweckmäßige, ausreichende und notwendige Wundversorgung entwickeln und anwenden. Allerdings wird damit keine über den ursprünglichen Basis-Berufsabschluss der Teilnehmer hinausgehende Handlungskompetenz generiert. Deshalb bleibt der Arzt, der Tätigkeiten in der Wundversorgung delegiert hat, in der Anordnungs- und Überwachungsverantwortung, die nicht-ärztlichen Teamteilnehmer handeln nicht selbstständig.

 

Welche Ziele hat das Wundmanagement?

Die Grundsätze größtmöglicher Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit sind dabei zu verfolgen. Allerdings darf hier auch die Qualität der Produkte nicht leiden, sind Diese bspw. Von keiner guten Qualität muss wiederum mehr verordnet werden, was hier dann wieder die Wirtschaftlichkeit in Frage stellt. 

Es gilt der Grundsatz: "So wenig wie möglich, soviel wie nötig." Es soll eine einheitliche Beschreibung einer Wunde ermöglicht werden.

 

Was ist bei der ,,modernen Wundversorgung’’ zu beachten?

Das der Mensch im Mittelpunkt steht und auch die Wundauflage nicht die Wunde heilt, sondern lediglich die Heilungsprozesse unterstützt. Eine an die Heilungsphasen adaptierte Wundbehandlung ist unerlässlich. Sowie die Patientenedukation, da der Patient immer mit in die Therapie eingebunden werden muss. Die Kausaltherapie sollte hier immer im Vordergrund stehen, als die eigentliche Wundtherapie. Da sonst keine Heilung bei chronischen Wunden stattfinden kann. 

 

Wer darf die Wundversorgung durchführen?

Die Wundversorgung ist Teil der medizinischen Versorgung, der sog. Behandlungspflege. Der Arzt hat hier im Rahmen seiner Heilkunde quasi eine universale Kompetenz. Gleichwohl ist für das Wundmanagement und die Koordinierung des Therapiekonzepts einer chronischen Wunde die Arbeit im Team charakteristisch: die vertikale Arbeitsteilung zwischen Ärzten und nicht-ärztlichen Gesundheitsfachberufen, vor allem Pflegefachkräften etwa in den ambulanten Pflegediensten. Für den Arzt, der mit Wundversorgung befasst ist, stellt sich in dieser Arbeitsteilung immer die Frage, an wen und inwieweit er heilkundliche Tätigkeit delegieren darf; eng damit verknüpft ist die Frage der haftungsrechtlichen Verantwortung.

Spiegelbildlich beschränkt sich die Verantwortung der Pflegefachkraft auf die Durchführung dessen, was der Arzt an sie delegiert hat – die Pflegefachkraft trägt die Durchführungsverantwortung. Deshalb sollte die Pflegefachkraft vor der Übernahme einer ärztlichen Tätigkeit ihre eigenen Fähigkeiten kritisch überprüfen. Fühlt sie sich der damit verbundenen Verantwortung nicht gewachsen, sollte sie die Übernahme dieser Tätigkeit ablehnen. Erkennt die Pflegefachkraft beispielsweise einen pathologischen Verlauf nicht und leitet sie nicht die notwendigen Maßnahmen ein, haftet sie selbst für die daraus entstehenden Schäden, wenn sie aufgrund ihrer Ausbildung den pathologischen Verlauf hätte erkennen können.

Ebenfalls sehr kritisch muss die Pflegefachkraft bei ihrer Übernahmeentscheidung dann sein, wenn die Ausführung der delegierten Tätigkeit für sie erkennbar den Strafgesetzen zuwiderläuft. Bei Bedenken etwa gegen den mehrmaligen Gebrauch von Einmalmaterial ohne Aufbereitung oder auch gegen die angeordnete Anwendung unsteriler Materialien sollte die Pflegefachkraft den Arzt ansprechen. Im Rahmen dieses sogenannten Remonstrationsrechts hat die Pflegefachkraft ggf. sogar die Pflicht, eine solche Tätigkeit abzulehnen, weil sie sich andernfalls wegen Körperverletzung strafbar machen kann. Das Recht der Wundversorgung ist in Bewegung. Ärzte, die aktiv in der Wundversorgung arbeiten und sich auf diesem Gebiet fortbilden, sind dazu prädestiniert, das Verständnis zwischen den Professionen zu fördern.