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Sekretmanagement » Absaugen & Sekretolyse | ZBI Gruppe

  • Erstellt von Sven Jantzen
  • Fachwissen außerklinische Beatmung und Intensivpflege

Sekretmanagement beschreibt ein sehr breites Feld von möglichen Maßnahmen, welche die Sekretolyse und Sekretexpektoration unterstützen. Durch pathogenetische Veränderungen sind bei unseren Klienten*innen häufig physiologische Reinigungsfunktionen der Lunge, wie Husten und mukoziliäre Clearance gestört.

Sekretmanagement & Sekretmobilisation – Maßnahmen zur Sekretelimination

In gesundem Zustand verfügen die Bronchien über einen Selbstreinigungsmechanismus, den man als Mukoziliäre Clearance bezeichnet. Hierbei werden Sekret und Fremdstoffe (Stäube, Mikroorganismen usw.) aus den Bronchien in Richtung Kehlkopf abtransportiert. Durch Erkrankungen oder Therapieelemente kann dieses bronchiale Reinigungssystem gestört werden und professionelles Sekretmanagement erforderlich machen. Lesen Sie in diesem Artikel, welche Maßnahmen in der Pflege zur Sekretmobilisation, Sekretolyse und Sekretelimination ergriffen werden können.

Inhaltsverzeichnis

 


Was ist Sekretmanagement?

Sekretmanagement meint in der Pflege sämtliche Maßnahmen, die zur Mobilisierung und Elimination von überschüssigem Sekret oder Schleim aus den Atemwegen, ergriffen werden und das Abhusten erleichtern sollen. Sekrete können sich in den oberen Atemwegen (wie Nase und Rachen) oder den unteren Atemwegen (wie Luftröhre und Lunge) ansammeln. Ein effektives Sekretmanagement zielt darauf ab, das Sekret zu kontrollieren, zu entfernen und die Atemwege freizuhalten. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Atmungsfunktion und der Vorbeugung von Komplikationen wie Atemwegsinfektionen.   

Das Sekretmanagement kann verschiedene Maßnahmen und Techniken umfassen und wird von medizinischem Fachpersonal (Ärzte, Krankenschwestern, spezialisierten Pflegefachkräften und Physiotherapeuten) durchgeführt.

 

Atemgasklimatisierung (Atemgaserwärmung & -befeuchtung) im Rahmen des Sekretmanagements

Die Atemgasklimatisierung stellt eine Maßnahme zur künstlichen Erwärmung und Anfeuchtung des Atemgases dar, beispielsweise bei Patienten mit Trachealkanüle. Mithilfe dieser Methode zur Atemgasbefeuchtung soll eine hohe Luftfeuchtigkeit mit idealerweise 37 °C temperiertem Atemgas intrabronchial erreicht werden. Hier stehen aktive Befeuchtungssysteme dem HME-Filter (Heat and Moisture Exchanger, auch als Wärme- und Feuchtigkeitsaustauscher bzw. Beatmungsfilter bezeichnet) gegenüber:

  • Aktive Systeme bieten eine hervorragende Wärme- und Feuchtigkeitsleistung, sind aber nicht mobil einzusetzen und benötigen spezifizierte Fachkompetenz und Erfahrungswerte des betreuenden Personals.
  • HME-Filter sind einfach zu bedienen, mobil und bieten gute bis sehr gute Leistungswerte bei der Klimatisierung.

Je nach Art der Erkrankung bieten beide Systeme Vor- und Nachteile. So kommen bei mobilen Patienten auch immer wieder beide Systeme zum Einsatz: zum Beispiel ein HME-Filter tagsüber und die aktive Befeuchtung nachts.

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Sekretelimination mittels endotrachealer Absaugung

Endotracheales Absaugen kommt u.a. bei Patient*innen im Rahmen der Tracheostoma-Pflege oder bei erschwertem/eingeschränktem Abhusten nach Hirnschädigungen (z.B. Schlaganfall oder Wachkoma) zum Einsatz. Mithilfe dieser Methode kann Sekret aus Trachealkanüle und Luftröhre entfernt werden. Hier sollten im Zuge der Patientensicherheit atraumatische Katheter zum Einsatz kommen. Um ein optimales Ergebnis zu gewährleisten, gilt der Grundsatz „SO HOCH WIE MÖGLICH, SO TIEF WIE NÖTIG.“ Je besser ein endotracheales Absaugen mit anderen Maßnahmen des Sekretmanagements (wie Atemgasklimatisierung, Hustenassistenz und Co.) vorbereitet werden kann, desto geringer die Gefahr durch „tiefes“ Absaugen.   

Diese Punkte sollten beim Absaugen von Schleim und Sekret beachtet werden:

  • Sekret restlos entfernen: Es ist ein Trugschluss, dass die Verringerung des Soges den Klient*innen vor Schleimhautläsionen schützt.
  • Kathetergröße: Bei der Verwendung von dünnen Kathetern kann mehr Atemgas während des Absaugvorganges zur Atmung am Katheter vorbeiströmen. Ein Katheter mit hohem Lumen ist also nur selten sinnvoll.
  • Hygiene: Verwenden Sie nur bei kurzen Absaugkathetern das „NO-TOUCH-PRINZIP“. Hierbei kommt der sterile Teil des Absaugkatheters nur mit der Innenwand der Trachealkanüle und dem abzusaugenden Sekret in Berührung. Sehr viel häufiger kommen zur Sekretelimination lange Absaugkatheter zum Einsatz. Achten Sie hier bitte auf das Absaugen mit sterilen Handschuhen. Entsorgen Sie die benutzten Katheter sicher, z. B. im Handschuh umwickelt.

 

Pharmakologische Therapie: Inhalation und Vernebelung begleitend zum Sekretmanagement

Pharmakologische Therapieansätze sind in Abhängigkeit zum Krankheitsbild unabdingbar. In diesen Bereich fallen auch die, von Klient*innen so häufig als existenziell empfundenen, Inhalationen. Inhalationen mit 0,9%iger NaCl-Lösung sorgen für eine kurze Befeuchtung und Pflege der Schleimhaut. Sekretlösend wirkt NaCl aber erst in höher dosierten Bereichen. So kommt 3%ig angereicherte NaCl-Lösung häufig in der Pädiatrie zum Einsatz. Im Bereich der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (z.B. COPD und Lungenfibrose) werden Bronchodilatatoren, wie Salbutamol und Ipratropiumbromid, vernebelt. Sie lösen kein Sekret, erweitern aber durch Bronchospasmolyse die Atemwege und unterstützen somit durch Erhöhung der Inspirationsleistung einen möglichen Hustenstoß.

 

Hustenassistenten zur Sekretelimination beim Sekretmanagement

Hustenassistenten sind gerade in der Therapie von Erkrankungen aus dem neuromuskulären Formenkreis nicht mehr wegzudenken. Ein Hustenassistent ist ein Gerät oder eine Technik, die darauf abzielt, Patienten dabei zu unterstützen, das Sekret aus den Atemwegen zu entfernen und den Hustenreflex zu aktivieren.    

Der Hustenstoß verläuft grundsätzlich in 3 Phasen:

  • Vertiefte Inspiration,
  • Erhöhung des intrathorakalen Drucks durch Schluss der Glottis und Anspannen der Exspirationsmuskulatur (vor allem der Bauchpresse),
  • Exspirationsphase: die Glottis wird geöffnet und das Sekret wird durch den schlagartigen Druckausgleich (Düseneffekt) aus dem Körperinneren befördert

Zusätzliche Maßnahmen zum Hustenassistenten

Es gibt folgende zusätzliche Maßnahmen zum Hustenassistenten, die im Rahmen des Sekretmanagements zum Einsatz kommen:

  • Positive Expiratory Pressure (PEP) Gerät: Das PEP-Gerät besteht aus einem Mundstück oder einer Maske, das mit einem Widerstand oder Ventil verbunden ist. Der Patient atmet durch das Gerät ein und aus. Beim Ausatmen entsteht durch den Widerstand ein erhöhter Druck in den Atemwegen. Dieser unterstützt die Öffnung der Atemwege und fördert die Sekretelimination. Beim Einatmen wird das Ventil geöffnet, um einen normalen Atemzug zu ermöglichen.
  • Hochfrequenz-Oszillationstherapie (HFO): Hierbei wird ein Gerät verwendet, das durch schnelle Schwingungen oder Vibrationen in den Atemwegen dazu beiträgt, das Sekret zu verflüssigen.
  • Mechanische (manuelle) Percussion: Bei der mechanischen oder manuellen Percussion werden bestimmte Bereiche des Brustkorbs oder des Rückens des Patienten rhythmisch geklopft (entweder manuell oder mit speziellen Geräten). Dadurch werden Vibrationen erzeugt, die das Sekret in den Atemwegen mobilisieren.

Klopfmassagen dienen zur Sekretmobilisation und erleichtern Patienten das Abhusten | © ZBI Gruppe

Bedeutung von Hustenassistenten in der Pflege

Von einfachen Maßnahmen wie Air Stacking zur Sekretmobilisation und Hustenanleitungen ist gerade auch durch die Etablierung der Therapie mit mechanischen Hustenhilfen in den letzten Jahren sehr viel Lebensqualität für unsere Klient*innen zurückerobert worden. Eine Therapieeinleitung von mechanischer Hustenhilfe sollte unter ausgeprägter fachlicher Expertise erfolgen und regelmäßig, z.B. durch einen Atmungstherapeuten (DGP), evaluiert werden. Im Blogartikel Husteninsuffizienz: Symptomatik & Maßnahmen im Überblick wird die Bedeutung der Husteninsuffizienz im Bereich der Atempumpeninsuffizienz ausführlicher beschrieben.

Sekretmanagement & Sekretmobilisation: weitere Maßnahme

Zusätzlich zu den bereits beschriebenen sekretlösenden Maßnahmen stehen in der Pflege weitere Methoden zur Verfügung, mit deren Hilfe Patient*innen das Abhusten erleichtert werden kann:   
1. Lagerungen dürfen nicht nur einer Dekubitusprophylaxe oder dem Wohlbefinden dienen. Lagerungen können auch zur Sekretmobilisation dienen: gemäß dem Kernsatz „PUT THE GOOD LUNG DOWN“, kann Sekret aus peripheren Lungenanteilen mittels Schwerkraft in Richtung der Bifurkation der Trachea fließen. Von hier aus ist mit weiteren Maßnahmen das Sekret eliminierbar. Unser Dogma darf niemals „SATT, SAUBER, GEWENDET“ lauten. Gerade auch die vernünftige Mobilisation von bettlägerigen Klient*innen bietet eine sehr gute Grundlage, auf der weitere Maßnahmen zum Sekretmanagement können. Die Lagerung in den Paschasitz, oder auch Herzbettlagerung genannt, ist hier in der Regel nur eine Mindestanforderung an uns. Sehr viel positivere Aspekte zeigen sich bei einer möglichen Mobilisation außerhalb des Bettes. Mobilisation in den Sitz und ein Gehtraining verändern nicht nur die Belüftung in Ihrer Quantität und / oder Qualität, sondern steigern ganz nebenbei die Lebensqualität und die Teilhabe am Leben.   
2. Weitere Adjuvante Ansätze bilden einen deutlich unterschätzten Anteil im Sekretmanagement. Die Maßnahmenpalette ist reichlich besetzt. Die Auskultation der Lunge sollte von jeder Pflegefachkraft insoweit beherrscht werden, um sich eine weitere Dimension des „klinischen Blickes“ zu sichern. Pack- und Spreizgriffe müssen nicht zwangsläufig von Physiotherapeut*innen angewendet werden. Kontaktatmung, Percussion und gleichzeitiges gemeinsames Atmen und Husten flankieren die „Schwergewichte“ des Sekretmanagements sinnvoll.

 

Sekretolyse – Eine wirksame Lösung bei zähem Sekret in den Bronchien

Wenn sich zähes Sekret in den Bronchien festsetzt, kann das zu einer Belastung der Atemwege führen. Vor allem Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD (Link zu COPD) leiden häufig unter diesem Problem. Eine wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeit ist die sogenannte Sekretolyse. Dabei werden Medikamente eingesetzt, um das zähe Sekret zu lösen und den Abtransport aus den Bronchien zu erleichtern.

Die Wirkstoffe in diesen Medikamenten verflüssigen das Sekret, indem sie dessen Struktur aufbrechen und die Bindungen zwischen den Molekülen lösen. Dadurch kann das Sekret leichter abgehustet oder abgesaugt werden. Die Anwendung von Sekretolytika erfolgt meist über Inhalation, wodurch die Wirkstoffe direkt an den Ort des Geschehens gelangen.
Wichtig ist dabei jedoch eine individuelle Anpassung der Therapie. Denn nicht alle Patienten sprechen gleichermaßen auf die unterschiedlichen Wirkstoffe an und auch die Dosierung muss entsprechend angepasst werden. Ein Arzt oder ein Facharzt für Lungenheilkunde kann hierbei helfen.
Insgesamt bietet die Sekretolyse eine wirksame Möglichkeit zur Behandlung von zähflüssigem Sekret in den Bronchien und kann dazu beitragen, die Atemwege zu entlasten und Beschwerden zu lindern.

 

Zusammenarbeit, Fortbildung und Expertise für gelungenes Sekretmanagement

Der beschriebene Maßnahmenkatalog besitzt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Insgesamt sind Maßnahmen des Sekretmanagements so vielfältig wie auch klientenindividuell einzusetzen. Maßgebend für die Auswahl und Anpassung von sekretlösenden Maßnahmen sind eine hohe Fachexpertise und, im besten Fall, ausgeprägte Erfahrung in diesem Themenfeld. Atmungstherapeut*innen sind in jeder Versorgung eine große Bereicherung. Idealerweise wird das Sekretmanagement transdisziplinär durch alle an der Klientenversorgung beteiligten Professionen gemeinsam gestaltet. Leiten Sie sich gegenseitig an. Pflegende sollten sich, neben dem Überblick, der in den Curricula der Basisqualifizierung Beatmung gegeben wird, stetig in diesem Themenfeld fortbilden.   
 

 

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